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Lipödem im Ultraschall: messen und graduieren
Technischer Ultraschall-Leitfaden zum Lipödem: wo messen (6 bis 8 cm oberhalb des Innenknöchels), wie ohne Kompression messen, Amato-Grenzwerte und Marshall-Graduierung.
Warum das Lipödem im Ultraschall messen
Das Lipödem ist eine abnorme und symmetrische Ansammlung von subkutanem Fettgewebe, typischerweise an den unteren Extremitäten, die die Füße meist ausspart. Die Diagnose ist klinisch, doch der Ultraschall liefert eine objektive, kostengünstige und reproduzierbare Methode, um die Dicke des subkutanen Gewebes (TCSC) zu messen und den Verlauf im Behandlungsverlauf zu verfolgen.
Diese Seite ist eine didaktische Brücke: Sie zeigt, wo der Schallkopf aufgesetzt wird, wie man den häufigsten Fehler vermeidet (die Haut komprimieren), wie man standardisiert misst, welche Grenzwerte gelten und wie der Schweregrad graduiert wird. Ziel ist, dass zwei Untersuchungen desselben Patienten zu ähnlichen Werten führen.
Wo messen: die vier standardisierten Punkte
Das Amato-Protokoll misst vier Punkte, beidseitig, mit mindestens drei Messungen pro Punkt. Sie sind reproduzierbar, weil sie sich an knöchernen Landmarken orientieren und nicht an einer ungefähren Position am Bein.
Die mediale supramalleoläre Region verdient besondere Aufmerksamkeit: Sie speist die Marshall-Graduierung des Schweregrads. Markieren Sie 6 bis 8 cm oberhalb der Spitze des Innenknöchels, an der Innenseite des Beins.
- Vorderer Oberschenkel — mittleres Drittel der Vorderseite des Oberschenkels
- Vordere prätibiale Region — proximales Drittel, nahe der Tibiakante
- Laterale Wade — mittleres Drittel der Außenseite
- Mediale supramalleoläre Region — 6 bis 8 cm oberhalb des Innenknöchels (Marshall-Punkt)
Die Technik: reichlich Gel, ohne die Haut zu komprimieren
Subkutanes Gewebe ist komprimierbar. Wenn Sie den Schallkopf mit Druck aufsetzen, sinkt die gemessene Dicke und der Schweregrad wird unterschätzt. Verwenden Sie einen hochfrequenten Linearschallkopf (7,5 bis 13 MHz), ein Weichteil-Preset und eine großzügige Gelschicht zur Ankopplung ohne Druck, wobei der Schallkopf senkrecht zur Haut bleibt.
- Dicke Gelschicht zwischen Schallkopf und Haut
- Schallkopf senkrecht, leichter Auflagedruck, ohne das Subkutangewebe einzudrücken
- Achten Sie im Bild auf die Haut: Sie darf nicht nach innen verformt sein
- Wiederholen Sie die Messung mindestens dreimal und misstrauen Sie sinkenden Werten beim Andrücken
Wie man die Messung vornimmt
Frieren Sie ein Querschnittsbild mit klar abgegrenzter Haut und Faszie ein. Setzen Sie einen Caliper auf die Oberfläche der Dermis und den anderen auf die Muskelfaszie, senkrecht zu den Schichten. Die Lipödem-Messung ist die kombinierte Dicke von Haut (Cutis) und subkutanem Fettgewebe, von der Dermis bis zur Faszie.
- Messen Sie immer senkrecht zu den Schichten (eine schräge Messung überschätzt)
- Schließen Sie von der Dermis bis zur Faszie ein (die Haut gehört bei Marshall zur Messung)
- Meiden Sie Gefäße und fokale Knoten bei der Wahl des repräsentativen Punktes
- Vergleichen Sie die Seiten: Das Lipödem ist meist symmetrisch
Diagnostische Grenzwerte nach Amato
Amato et al. definierten Grenzwerte der TCSC-Dicke, je Punkt, oberhalb derer die Messung auf ein Lipödem hinweist. Der prätibiale Punkt zeigte die höchste diagnostische Genauigkeit.
- Vorderer Oberschenkel: über 17,9 mm
- Vordere prätibiale Region: über 11,7 mm (höchste Genauigkeit)
- Laterale Wade: über 8,4 mm
- Mediale supramalleoläre Region: über 7,0 mm
Schweregrad-Graduierung nach Marshall und Schwahn-Schreiber
Der Schweregrad wird über die Dicke in der medialen supramalleolären Region graduiert. Zum Vergleich: Eine Person ohne Lipödem misst an diesem Punkt am Knöchel etwa 2,1 mm.
Führen Sie in der Beurteilung den entsprechenden Grad an, zum Beispiel: Befunde vereinbar mit einem Lipödem mäßigen Grades nach der Marshall-Graduierung. Die Messwerte gehören in den Befundtext; die Beurteilung trägt die Einschätzung und den Grad.
- 12 bis 15 mm — leichtes Lipödem (Lipohyperplasie)
- 15 bis 20 mm — mäßig
- 20 bis 30 mm — ausgeprägt (eindeutig)
- über 30 mm — schwer
- etwa 2,1 mm — Normalreferenz (kein Lipödem)
Lipödem, Lymphödem und Adipositas
Der Ultraschall hilft bei der Abgrenzung. Beim reinen Lipödem sind die Füße ausgespart, die Haut behält ihre Dicke und in den Frühstadien gibt es keine echofreien Flüssigkeitssäume zwischen den Läppchen. Verstreute hyperechogene knotige Areale können im Subkutangewebe auftreten.
- Lipödem: Füße ausgespart, symmetrisch, ohne Hautverdickung, Druckschmerz
- Lymphödem: Füße betroffen (Stemmer positiv), Hautverdickung und Flüssigkeitssäume
- Adipositas: verdicktes Subkutangewebe, aber ohne die füßeaussparende Disproportion
Quellen
Dieser Inhalt ist edukativ und ersetzt weder die Originalpublikationen noch die klinische Korrelation. Hauptreferenzen:
- Amato ACO et al. Ultrasound criteria for lipedema. Phlebology, 2021.
- Marshall M, Schwahn-Schreiber C. Prevalence of lipedema in professional women in Germany. Phlebologie, 2011.
- Naouri M et al. High-resolution cutaneous ultrasonography to differentiate lipoedema from lymphoedema. Br J Dermatol, 2010.
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